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JubiläumskonzertSa, 29. September 19 Uhr  Augustinerkirche

100 Jahre Leonard Bernstein – Jubiläum-Psalmenkonzert mit dem MDR Rundfunkchor

100 Jahre Leonard Bernstein – Jubiläum-Psalmenkonzert mit dem MDR Rundfunkchor

MDR Rundfunkchor

  • Gijs Leenaars, Dirigent
  • Sarah Christ, Harfe
  • Denny Wilke, Orgel
  • Michael Weilacher, Schlagzeug

Das Buch der Psalmen wird von Juden und Christen gleichermaßen als überragende geistliche Quelle geschätzt. Das hebräische Original der 150 Dank-, Lob- und Bittgebete ist tief im jüdischen Glauben verwurzelt und entstand vermutlich zwischen dem 6. und 3. Jahrhundert vor Christus. Etliche Psalmen beziehen sich in ihrem Titel direkt auf König David, auch wenn in der heutigen Forschung Konsens darüber besteht, dass der historische David nicht als Autor infrage kommt. Von Beginn an fungierten die Psalmen als zentrales Gebetbuch der Juden und wurden in der jüdischen Liturgie bereits sehr früh auch in gesungener Form eingesetzt. In ihrer doppelversigen Struktur eigneten sie sich hervorragend zum wechselseitigen Singen. Damit dürfen die Psalmen als Urform des liturgischen Musizierens überhaupt bezeichnet werden.

Das frühe Christentum übernahm diese Tradition, so ermahnt Paulus seine Gemeinden gleich mehrfach, Gott mit Psalmengesang zu preisen. Und nicht zuletzt die Kirchenväter bezeugen, dass der musikalische Vortrag von Psalmen in der christlichen Kirche von Anfang an fundamentale Bedeutung besaß.

Mit Aufkommen der Mehrstimmigkeit gab es für die Komponisten umso mehr Möglichkeiten, die komplexen, oftmals auch sehr persönlich gehaltenen Psalmtexte mit Musik zu versehen. Drücken diese Dichtungen doch oftmals mit starken poetischen Metaphern Lob und Dank, Klage und Trauer, Trost und Freude, aber auch Vertrauen und Hoffnung aus. Dabei wurden nicht nur die gleichlautenden, originalen Psalmtexte vertont, sondern häufig auch Übersetzungen, Paraphrasen oder Kompilationen. Immer wieder neu ließen sich Komponisten aller Epochen von den Psalmen zu Vertonungen im jeweiligen Musikstil ihrer Zeit inspirieren.

Die Funktion des Psalmengesangs hat sich dabei im Laufe der Jahrhunderte gewandelt: Zu Beginn dienten mehrstimmige Psalmvertonungen allein der festlichen musikalischen Umsetzung des Stundengebets, besonders der Vesper, ferner als Propriumssatz in der Messe oder als musikalische Auszierung anderer liturgischer Formen, wie Andachten oder Wallfahrten. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts änderte sich diese Praxis jedoch: Viele Komponisten vertonten Psalmen nicht mehr vorrangig für die Liturgie, sondern für konzertante Aufführungen und nahmen ihre Textauswahl ganz individuell vor.

Felix Mendelssohn Bartholdy beispielsweise komponierte 1833 in Düsseldorf seinen Vespergesang op. 121 in lateinischer Sprache nach liturgischer Ordnung, widmete ihn aber dem Akademischen Chor der Universität zu Berlin. Die Drei Psalmen op. 78 dagegen schuf er später als »General-Musik-Direktor« des preußischen Königs für Aufführungen im Berliner Dom. Leonard Bernstein schließlich erhielt 1965 von der Kathedrale im englischen Chichester den Auftrag, für das dortige Kirchenmusik-Festival ein Chorwerk zu schreiben und entschied sich für eine dreiteilige Psalmkomposition, deren Verse er selbst auswählte.

An Faszination haben die Psalmen in ihrer mehrtausendjährigen Geschichte nichts eingebüßt.

Fast prophetisch schrieb dazu der Leipziger Thomaskantor und Gewandhaus-Kapellmeister Johann Adam Hiller: »Die Psalmen haben ehemals die Stelle der Kirchenmusik im Salomonischen Tempel vertreten; sie sind so voll von frommen Regungen, von heiligen Empfindungen und pathetischen Ausdrücken, dass sie die Musik zu allen Zeiten als ihr eigenthümliches Feld wird ansehen, und ein Componist seine Geschicklichkeit an ihnen wird zeigen können.«

Programm

  • Antoine Brumel (um 1460–1512)
    Lamentations of Jeremiah
  • Darius Milhaud (1892–1974)
    Psalm 121 für Männerstimmen op. 72
  • Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
    Psalm 2 op. 78 Nr. 1 (MWV B 41) »Warum toben die Heiden«
  • Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
    Vespergesang op. 121 (MWV B 26)
  • Lukas Foss (1922–2009)
    De profundis
  • Lukas Foss (1922–2009)
    Lamdeni
  • Leonard Bernstein (1918–1990)
    Chichester Psalms für gemischten Chor, Knabenstimme, Orgel, Schlagzeug und Harfe

Foto: © Peter Adamik

»MDR Rundfunkchor bestach mit jugendlich frischen Stimmen, einem regelrechten Glockensopran und kultivierter Durchschlagskraft«

Frankfurter Rundschau

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Eintritt

  • PK 1 35 Euro | ermäßigt 30 Euro
  • PK 2 25 Euro | ermäßigt 20 Euro

Augustinerkirche

Augustinerstraße 10
99084 Erfurt