ACHAVAאחווה Festspiele Thüringen

Schülerforum, Schülerpanels und »Hört die Zeugen«

»Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.«

George Santayana
Foto: Martin Kaufmann

Um dieser Möglichkeit entgegen zu wirken, bemühen sich die ACHAVA Festspiele seit Beginn Zeitzeugen einzuladen, die von den ihnen zugefügten Gräueln gegen Menschlichkeit und Menschenwürde und ihrem Leben heute berichten. Seien es hochbetagte Überlebende des Naziregimes oder auch Opfer von Rassimus und Genozid im 21. Jahrhundert.

Das Bildungsprogramm der ACHAVA Festspiele 2020 umfasst das große ACHAVA Schülerforum am 14. September 2020 mit über 150 Schülern aus ganz Thüringen im Erfurter Zughafen sowie einzelne Schülerpanels. Im Vorfeld wird auch im Landtag von Saarbrücken ein von ACHAVA begleitetes Schülerforum stattfinden.

Foto: Martin Kaufmann

Schülerpanels September 2020

Aufgrund von Corona können die Buchenwaldüberlebenden nicht nach Deutschland reisen. Dafür werden Zeitzeugen per Livestream über das mobile ACHAVA-Fernsehstudio aus Israel, Budapest oder den USA in viele Thüringer Schulen zu Gesprächs- und Begegnungstagen zugeschaltet. So können sie trotzdem ihre Geschichten erzählen und sich den Fragen der Schüler*innen stellen. Begleitet werden die Schülerpanels von Ausschnitten aus Dokumentarfilmen über die Zeitzeugen.

  • 01.09.2020 10–16 Uhr Saarbrücken Schülerforum – »Hört die Zeugen« mit Naftali Fürst oder Esther Bejerano Landtag des Saarlandes, Saarbrücken
  • 07.09.2020 10–12 Uhr Friedrichroda »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Kinderblock 66« – Naftali Fürst Perthes-Gymnasium Engelsbacher Weg 13, 99894 Friedrichroda
  • 08.09.2020 9–14 Uhr Eisenach »Hört die Zeugen« mit Livestream – Rabbiner Tovia Ben Chorin J. W. v. Goethe-Gymnasium Pfarrberg 1, 99817 Eisenach
  • 09.09.2020 9.50–15.15 Uhr Eisenach »Hört die Zeugen« mit Livestream – Rabbiner Tovia Ben Chorin Elisabeth Gymnasium Neuberstraße 24, 99827 Eisenach
  • 09.09.2020 9.50–15.15 Uhr Eisenach »Hört die Zeugen« mit Livestream und Film »Die Euphorie des Seins« – Eva Pusztai ACHAVA Lutherplatz | Open Air
  • 10.09.2020 10–12 Uhr Weimar »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Kinderblock 66« – Naftali Fürst Humboldt-Gymnasium Prager-Straße 42, 99427 Weimar
  • 11.09.2020 10–12 Uhr Meuselwitz »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Die Euphorie des Seins« – Eva Pusztai Senckendorf-Gymnasium Rathausstraße 16, 04610 Meuselwitz
  • 12.09.2020 16–17.30 Uhr Eisenach »DIE ENKEL – Der Dialog« Livestream mit Elad Koimchi (Enkel von Avital Ben-Chorin) Georgenkirche Markt, 99827 Eisenach
  • 13.09.2020 13–15 Uhr Weimar/Buchenwald »Hört die Zeugen« im Livestream – Eva Pusztai, Naftali Fürdst, Martha Brown Kunstfest + ACHAVA Gedenkstätte Buchenwald/ehem. Reithalle
  • 14.09.2020 10–14 Uhr Erfurt ACHAVA Schülerforum – Fimausschnitte Eva Stocker – »Jugend in Flammen« mit Livestreams ACHAVA Zughafen, Halle 6, Zum Güterbahnhof 20, 99085 Erfurt
  • 15.09.2020 19.30 Uhr Gera »Jugend in Flammen« – Zeitzeugengespräch mit Musik – Livestreams Theater Gera Bühne am Park, Theaterplatz 1, 07548 Gera
  • 16.09.2020 19.30 Uhr Jena »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Kinderblock 66« – Naftali Fürst Friedrich-Schiller-Universität Aula, Fürstengraben 1, 07743 Jena
  • 17.09.2020 10–12 Uhr Schleiz »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Die Euphorie des Seins« – Eva Pusztai Konrad-Duden-Gymnasium Hofer Straße 10, 07907 Schleiz
  • 17.09.2020 20 Uhr Erfurt »Jugend in Flammen« – Zeitzeugengespräch mit Musik – Livestreams Kleine Synagoge An der Stadtmünze 4, 99084 Erfurt
  • 18.09.2020 10–11.30 Uhr Erfurt »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Die Euphorie des Seins« – Eva Pusztai Erinnerungsort Topf & Söhne Sorbenweg 7, 99099 Erfurt
  • 19.09.2020 19.30 Uhr Jena »Hört die Zeugen« mit Livestream und Filmausschnitt »Die Euphorie des Seins« – Eva Pusztai Friedrich-Schiller-Universität Aula, Fürstengraben 1, 07743 Jena

»Antisemitismus im Hier und Jetzt«

    9. September  Ev. Schulzentrum Mühlhausen
    10. September  Ev. Gemeinschaftsschule Erfurt

Diskurs und Gespräche mit Schülern an Regel- und Gemeinschaftsschulen in Thüringen

  • Jens Korzetz – Universität Erfurt
  • Steven Lange – Universität Erfurt

Mit individueller Bildungsarbeit in schulischen Kleingruppen wollen sich die ACHAVA Festspiele und die Universität Erfurt gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern den Themen Antisemitismus und gruppenbezogenen Diskriminierung an Schulen widmen. Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist kein einzelnes Phänomen, sondern ein weit verbreitetes, gesellschaftliches soziales Phänomen, welches ernst genommen werden muss. Juden und Jüdinnen werden bis heute noch als Fremde wahrgenommen. Das Gesprächs- und Diskurspanel möchte eine entsprechende Sensibilisierung gegen Antisemitismus bei Kindern und Jugendlichen in der Schule erreichen. In jeweils 90-minütigen Gesprächseinheiten werden die Lehrkräfte der Universität Erfurt mit den Schülerinnen und Schülern daran arbeiten.

Ein Projekt der ACHAVA Festspiele in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Judaistik und dem Lehrstuhl für Neuere Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik der Uni Erfurt

Achava Schülerforum 2020 – Wir sind hier!

Foto: Ronny Pabst

75 Jahre Befreiung der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald

150 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe
Altersgruppen: 14–18 Jahre

Foto: Ronny Pabst


14. September10–14 Uhr

Zughafen Erfurt, Halle 6
Schirmherrin: Birgit Keller, Landtagspräsidentin Freistaat Thüringen


10 Uhr

Eröffnung

Grußwort Birgit Keller, Präsidentin des Thüringer Landtages
Grußwort Bodo Ramelow, Ministerpräsident Freistaat Thüringen
Grußwort Reinhard Schramm, Vorsitzender Jüdische Landesgemeinde Thüringen
Grußwort Martin Kranz, Intendant ACHAVA Festspiele

Thüringer Bach Collegium meets Helmut Eisel

  • Helmut Eisel (Klarinette)
  • Gernot Süssmuth (Violine)
  • Christian Bergmann (Kontrabass)

Von Bach bis Jiddisch Klezmer


10.30 Uhr

Der Krieg gegen die Juden

Dokumentarfilm in Sequenzen und Gespräch

  • Eva Stocker - Zeitzeugin und Regisseurin
  • Éva Fahidi-Pusztai – Auschwitz- und Buchenwaldüberlebende im Livestream aus Budapest
  • Prof. Reinhard Schramm – Zeitzeuge und Vorsitzender Jüdische Landesgemeinde
  • Martin Kranz – Intendant ACHAVA Festspiele (Gesprächsführung)
Filmstill: Csaba Bedö

Eva Stocker weiß selbst nicht, wer sie wirklich ist. Ihre Kindheit verbrachte sie in einer ungarischen Stadt, wuchs, ohne es zu wissen, bei Adoptiveltern auf. Ein zufällig entdeckter Zettel in einem Schuhkarton löste die Suche nach dem eigenen Ich aus und wurde Jahrzehnte später zur Motivation für den nun längsten Film ihres Lebens. 300 Stunden Material, Archivrecherchen in Washington, in Genf, in Dachau und immer wieder in Auschwitz. Der kleine Zettel mit dem Namen eines Bahnbeamten, einem Datum und einem Ort.

Durch die slowakische Stadt Košice an der ungarischen Grenze fuhren ab April 1944 Züge nach Auschwitz, etwa zwei bis sechs täglich. Augenzeugen werden ihr später berichten, dass verzweifelte Mütter ihre Kinder aus den Waggons reichten, wenn die Züge anhielten. War auch ihre Mutter dabei? Die Vermutung liegt nahe. Genau dort entstand die erste Notiz über sie, verfasst von einem Bahnbeamten, der das Kind 1944 aus einem Zug entgegennahm.

Nach dem Benes Dekret musste er mit seiner Frau die Slowakei verlassen. Sie wurden in Güterwaggons nach Ungarn abgeschoben, nach Miskolc. Mittellos, in einem fremden Land haben sie das Kind vermutlich ins Waisenhaus gegeben. Was mit diesen Menschen später passierte, ist unbekannt. Sicher ist nur, dass diese Aktion Eva Stocker das Leben rettete. In ihrem Dokumentarfilm lässt die Regisseurin viele Menschen zu Wort kommen, zeigt sie im privaten Umfeld und hört ihnen zu.

Foto: Csaba Bedö


12.30 Uhr

Pause


12 Uhr

»Jugend in Flammen«

Zeitzeugengespräch und Lesung mit Musik

  • Aliza Vitis-Shomron - Autorin und Überlebende des Warschauer Ghettos im Livestream (Israel)
  • Petra Sawadogo - Übersetzerin und Moderation (Deutschland)
  • Omri Vitis - Gesang (Israel)
  • Guy Strier - Gitarre (Israel)
  • Tobias Unterberg - Cello (Deutschland)
Foto: Ronny Pabst

Aliza wurde 1928 in Warschau als Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie geboren, in der sich jüdische Tradition und polnische Kultur vermischten. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges war sie elf Jahre alt. In ihren Tagebüchern, die sie auf Papierreste schrieb und während des Krieges aufbewahrte, erzählte sie die Geschichte ihrer Familie, die im besetzten Warschauer Ghetto ums Überleben kämpfte. Diese Tagebücher und ihre späteren Aufzeichnungen bildeten die Grundlage für ihre Memoiren. Die Mitgliedschaft bei Hashomer Hatzair, der bekannten Jugendbewegung im Warschauer Ghetto, gab Aliza Hoffnung und ermutigte sie, ums Überleben zu kämpfen.

Foto: Ronny Pabst

Im Ergebnis einer außergewöhnlichen Reihe von glücklichen Umständen gelang es ihr, nach ihrer Deportation ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, zu überleben. Sie gehörte zu denen, die von amerikanischen Truppen befreit wurden. Ihre Geschichte weiter zu erzählen, ist und bleibt ihr Vermächtnis.

Aliza ist eine der letzten Überlebenden des Warschauer Ghettos. Sie lebt im Kibbuz Givat Os im Norden Israels. Die heute 91-Jährige hielt leidenschaftliche Vorträge über die Revolte auf der ganzen Welt und hat zahlreiche israelische Jugendgruppen bei ihren Besuchen in Polen begleitet.

Das Buch, das 2002 erschien, wurde bereits in Englisch, Ungarisch, Polnisch und Hebräisch veröffentlicht. Anlässlich der ACHAVA-Festspiele 2020 ist die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung geplant.

Für diese musikalische Lese-Reise wird Aliza Vitis-Shomron im Livestream aus Israel zugeschaltet. Das Programm wird mit einer Auswahl hebräischer Lieder aus Vergangenheit und Gegenwart musikalisch umrahmt.

Eine Kooperation mit dem Thüringer Landtag.

Weitere öffentliche Termine
  • 15. September 2020, 19.30 Uhr, Theater Gera
  • 17. September 2020, 20 Uhr, Kleine Synagoge Erfurt