ACHAVAאחווה Fest­spiele Thüringen

Film & GeprächSo, 13. September 18 Uhr  Lichthaus Kino Weimar

Langsames Diesseits. 4 Monologe – Uraufführung und Gesprächsrunde

Langsames Diesseits. 4 Monologe – Uraufführung und Gesprächsrunde

Vier Buchenwaldüberlebende im Porträt

  • Regie/​Produktion: Siegfried Ressel und Hannes Richter, Deutschland 2020
  • Länge: 80 Minuten

Was sind das für Menschen, die das Grauen der Konzentrationslager erlebt haben? Diese Frage stellt sich immer wieder bei Begegnungen mit ehemaligen KZ-Häftlingen, sie stellt sich nach dem Lesen ihrer Tatsachenberichte, von historischen Abhandlungen, nach Filmen zum Thema, anlässlich von Gerichtsprozessen und Gedenkveranstaltungen. Hier setzt der Film an, im Alltag dieser Menschen, die mittlerweile das 90. Lebensjahrzehnt überschritten haben. In ihrer Jugend, vor mehr als 75 Jahren, haben sie etwas erlebt, das es in der Menschheitsgeschichte so noch nicht gegeben hatte. Gemessen an ihrem heutigen Alter war jenes Martyrium nur ein sehr kleiner Augenblick in ihrem Leben. Sie hatten also seither eine endlose Zeit damit zurechtzukommen. Hatten Mut zu sammeln, um einen Alltag zu bestreiten, Kinder zu bekommen und zu erziehen, in Berufen zu arbeiten, kurz: ein »normales Leben« zu führen.

Doch wie sieht dieses »normale Leben« aus? Wie kann so etwas überhaupt funktionieren? Unser Film widmet sich vier Buchenwald-Überlebenden. Er zeigt sie und ihren Alltag. Vielmehr: die Poesie ihres Alltags wie beschrieben. Kleine und große Dinge: der bestellte Garten, eine gedrechselte Figur, geschriebene und noch zu schreibende Romane, die Glasveranda voller zahlloser Zimmerpflanzen, der Kaffee am Morgen, der Wein am Mittag, der Schnaps nebenbei. Das Modell des Lagers Buchenwald in zweifacher Ausführung, der Vortrag vor einer Schulklasse, das Essen mit der Familie.

Die Kümmernisse des Alters, die Einsamkeit der Nacht, die schon am Spätnachmittag deutlich zu ahnen ist.

Durch die filmische, jedoch nicht kommentierende Schilderung des unmittelbaren Lebensumfeldes, eröffnet sich dem Zuschauer ein Wahrnehmungsdruck: alles ist gleich, alles ist anders; Schichten von Wahrheiten; normale Rentner, keine normalen Rentner; Zeitzeuge, Zeuge des eigenen Lebenslaufes; auf den Kopf gestellte, zu hinterfragende Alltäglichkeit. Die Langsamkeit der Bilder, die Länge der Einstellungen zwingen nicht nur zum Hinschauen. Sie provozieren das direkte Nachdenken über jene Personen, denen der Film gewidmet ist.

Vier Menschen am Ende ihres Lebens. Vier Menschen, die alles verloren hatten: eine Kindheit, Jugend, die Eltern, das Vertrauen in die Zukunft. Vier Menschen, die im »Lager« waren. Für die Orte, wie Auschwitz und Buchenwald keine Ausflugsziele gewesen sind. Vier Menschen, die zurück kamen ins Leben, was auch immer das für sie bedeutet. Ein kleiner Teil, ein winziger Ausschnitt davon, wird in unserem Film zu sehen sein.

Eine Produktion der a+r Film in Kooperation mit den ACHAVA Festspiele Thüringen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, der Stadt Weimar und dem Kunstfest Weimar

Fotos: Siegfried Ressel, Hannes Richter


Eintritt

  • frei

Lichthaus Kino Weimar

Am Kirschberg 4
99423 Weimar