
Vernissage
Urs Jaeggi – Künstler, Schriftsteller, Soziologe
Werke aus dem Nachlass, Sammlung Burkhard Dunst
So, 27. Sep · 12.30 Uhr
Vortrag
Urs Jaeggi · Ein Künstler als Suchender, Finder, Interpret und Inszenator
Dr. Rolf Külz-Mackenzie · Kurator, Autor und Wegebegleiter von Urs Jaeggi
Die Arbeiten von Urs Jaeggi sind wesentlich bestimmt von Auseinandersetzungen mit seiner Kindheit sowie, über sein politisches und soziales Engagement, durch soziale und politische Analysen, die sich über seine wissenschaftlichen soziologischen Untersuchungen weit bis in seine privaten Geschichten hinein bewegten. Beides lieferte Begründungen bei Urs Jaeggi dafür, dass er in seinem klugen weit gespannten erkenntnisgeleiteten Denken, Forschen und kreativen Arbeiten immer wieder auf die erkennenden Blicke und Erfindungen eines Kindes zurückgriff. Dies über seine Texte hinaus ganz besonders in seinen Bildwerken.
In seinen Bildern, Zeichnungen, Skulpturen, Objekten und Assemblagen sowie in den Fotomalen hingegen suchte er gänzlich andere Wege und Formen. Wenn man mit ihm durch Landschaften – egal ob urbane, dörfliche oder Natur – ging, dann erlebte man, dass er ständig nach Bildern suchte, nach Spuren von Gesichtern oder Gegenständen am Wegesrand.
Er nahm ständig Fundstücke – vor allem metallisches aus der Wegwerfgesellschaft aber auch Plastik und anderes – mit sich nach Hause oder ins Atelier und verarbeitete vieles zu Assemblagen, bei denen er die Fundstücke nur wenig veränderte. Er folgte dabei den Ideen von Marcel Duchamps, jedoch machte er mehr gestalterische Eingriffe in die Fundstücke als bei Duchamps üblich und es gingen ihnen die ernsthafte Collagetechnik der Dadaisten ab. Seine Fotomalen waren ebenfalls Ergebnisse von Gefundenem, das er fotografierte, dann am Computer bearbeitete und schließlich groß auf Leinwände drucken ließ. Er folgte mehr spielerischen Impulsen, ordnete alles eher wie ein Kind. Für Urs Jaeggi war Kunst wirklich überall und sie musste nur erkannt werden. Er hatte stets den wachen Blick, die Wahrnehmungs- und Gestaltungsfähigkeit dazu. Er wollte das Unbewusste hier mit dem Bewussten verbinden, hatte hinreichend Übung im Zeichnen, um auch ohne Hinsehen Gesichter und Abbilder zu schaffen. Mit dem Pinsel folgte er auf Papier und Leinwand spontanen Eingebungen und Impulsen und experimentierte mit Formen und expressiven Zeichen. Vieles war von Schriftzeichen abgeleitet, auch erfundene Schriften waren darunter und er spielte sogar mit Worten, die er auseinandernahm, damit der Betrachter alles neu ordnen und deuten konnte.
In Weimar wurde mit Werken von Urs Jaeggi nicht raumbezogen inszeniert, hier sind unterschiedliche Werke von ihm aus der Sammlung Burkhard Dunst eingefügt in die außergewöhnlichen Räumlichkeiten der Sendehalle. Darüber hinaus wird der Bücherkubus der Herzogin Anna Amalia-Bibliothek zur Bühne für Jaeggis Werke und Literatur.
Zur Finissage werden Großteile der ausgestellten Stücke, im Sinne Jaeggies für bezahlbare Preise zum Verkauf angeboten.
Eine Produktion der ACHAVA Festspiele Thüringen und der Sammlung Burkhard Dunst
Hommage an Urs Jaeggi
So, 27. September · 12 Uhr
Humboldtstraße 36a, 99425 Weimar